Aus Blog wird Lernblog

Warum einen Blog schreiben? Zum Beispiel, um seine Entwicklung zu dokumentieren. Deshalb ist mein Blog ab heute ein Lernblog. Nicht weiter weltbewegend, und doch wird was anders.

Auf den kleinen feinen Unterschied und die Philosophie hinter einem Lernblog hat mich Marco Jakob mit seiner Lernblog-Idee gebracht. Er berichtet von seinem eigenen Prozess und lädt dazu ein, „lebenslanges Lernen“ zu praktizieren. Auch diese Erkenntnis, dass der Mensch dazu geschaffen ist, sich lebenslänglich weiterzuentwickeln ist nicht mehr ganz neu.

„Lebenslanges Lernen beginnt bei der Geburt und endet erst nach dem Tod.“

Marco Jakob

Das bedingt, sich immer mal wieder in neue Gewässer zu wagen und nasse Füsse zu bekommen.

Allerdings ist seine Beobachtung interessant, dass wir eine spezifische Gruppe von Mitarbeitern beschildern mit „ich lerne noch“ oder schlicht „Lernender“. Und wirft die Frage auf, was denn mit den übrigen MItarbeiter sei. Lernen sie nicht mehr? Oder ist dieser Statusbeschrieb eine vorauseilende Entschuldigung für allfällige Fehler?

Oder dass Lehrer von Schülern ein Lernprotokoll einfordern, selbst aber keines führen. Weil sie schon alles wissen? Oder nicht mehr Lernen?

„Ein Lernblog führt man zuallererst für sich selbst.“ Sie dürfen ihn trotzdem lesen. Texte, die zu persönlich sind, schreibe ich in mein Tagebuch, nicht in einen meiner Blogs. Hier aber halte ich meinen Lern-, Entdecker- und Entwicklungs-Prozess fest. Das hilft in erster Linie mir selbst. Schreiben ist „Magie“, nicht im okkulten Sinn, sondern im schöpferischen Sinn. Es ist mehr als nur Gedanken festhalten.

Schreiben bedeutet Gedanken zu führen, in konkrete Worte zu fassen, Erkenntnisse präzise zu formulieren. Und während man schriftlich dem Gedankenpfad folgt, findet man sich plötzlich auf einer „Waldlichtung“ wieder, an der man zuvor noch nie vorbei gekommen ist.
Sprich: Die Niederschrift seiner Gedanken hat zu einer neuen, unverhofften Erkenntnis geführt.

Wenn ab heute mein Fermentations-Blog also ein Lernblog ist, dann lege ich damit ausserdem explizit offen, dass ich kein Experte bin. Meine Absicht ist die Inspiration meiner Leserschaft, ich will Neugierde und die Lust auf das Nachahmen wecken. Und Hemmschwellen senken. Gerade das gelingt wohl besser, wenn ich mich selbst als „Hemmschwellen-Überwinder“ oute denn als Experte positioniere. Wenn Sie meine Begeisterung für das Fermentieren und das Lernen teilen, dann hat dieser Lernblog auch seinen zweiten Zweck erfüllt.

Von Lernerfahrungen zu berichten heisst auch den Mut zu haben, sich zu Themen zu äussern, von denen man noch keine ausgereifte Erfahrung und vertieftes Wissen besitzt. Das wächst beides. Und es kann nur wachsen, wenn man beginnt. Den ersten Schritt geht. Fehltritte und Kurskorrekturen sind unabdingbar auf diesem Weg. Ich gestehe mir diese Freiheit zu.

Im Prinzip werbe ich also für Zweierlei. Einerseits für’s Schreiben. Wenn Sie das ebenfalls öffentlich in einem Blog tun möchten, dann finden Sie bei Marco Jakob Hinweise, wie man das Technische auf einfache Art einfädeln kann. Und dass diese Website eine Einladung zur eigenen Entdeckungsreise als Fermentista ist, das ist wohl deutlich ersichtlich.

Und zu guter Letzt öffne ich mich damit auch für einen Dialog mit Ihnen. Wenn Ihre Erfahrung und Wissen bereits reifer ist als meine, dann dürfen Sie sich gerne äussern, wenn Sie in einem meiner Beiträge auf eine Meinung stossen, die sie für unausgereift halten. Bitte, ich lerne gerne, auch von Ihnen.

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